Österreichisches Leistungsbuch für Jagdhunde

Prüfungsordnung für Einzelleistungen des ÖJGV

Jährlich werden auch zirka 380 Prüfungen nach der Prüfungsordnung für Einzelleistungen mit steigender Tendenz in das ÖLBJ eingetragen, wobei hier fast 85 Prozent der Prüfungen von Vorstehhunden absolviert werden.

Bei der Bringtreueprüfung - der Hund wird 100 Schritte vor dem kalten Stück Niederwild im Wald geschnallt und muss ohne Bringbefehl das ausgelegte Stück innerhalb von 15 Minuten zum Führer bringen - gibt es eine Erfolgsquote von knapp über 50 Prozent. Bei einzelnen Bringtreuprüfungen kann es vorkommen, dass zum Beispiel von 8 angetretenen Hunden nur 2 die Prüfung bestehen. Eine bestandene Bringtreueprüfung soll dokumentieren, dass ein Jagdhund ein gefundenes, kaltes Stück Niederwild oder Raubwild ohne Befehl seinem Führer bringt. Dies Aufgabe wird in Revieren mit Niederwild in jeder Jagdsaison des Öfteren benötigt.

Die beiden Sonderprüfungen auf der künstlichen Schweißfährte können von jedem Jagdhund in Österreich gearbeitet werden. Der ÖJGV selbst veranstaltet seit 1980 jährlich eine Schweißsonderprüfung, wo je ein Rassevertreter teilnahmeberechtigt ist. Jahr für Jahr ist es ein imposantes Bild, die verschiedensten in Österreich geführten Jagdhunde bei dieser Arbeit zu sehen. Als eine der wichtigsten Aufgaben dieser Prüfungen ist es, das Gespann - Hund und Führer - zu überprüfen, ob sie ein Team bei einer „Nachsuche“ sind.
Die Erfolgsquote bei der Schweißsonderprüfung liegt höher als bei der Bringtreueprüfung, da nur etwa 15 Prozent der angetretenen Jagdhunde diese Prüfung nicht bestehen. Jedoch ist hier der Anteil der 3. Preise - über 40 Prozent - sehr hoch. Etwa 25 Prozent der Jagdhunde erreichen einen zweiten Preis und etwas mehr als 20 Prozent einen ersten Preis. Die Kriterien bei dieser Prüfung sind sicherlich die Länge (1200 Schritte), die Schweißmenge (maximal 1/4 Liter) und die Stehzeit der Fährte (mindestens 20 Stunden).

Die Schweißprüfung ohne Richterbegleitung hat aufgrund ihrer Anforderungen eine relative geringe Prüfungsbeteilung. Bei der Prüfung muss der Jagdhund ein sehr hohes Ausbildungsniveau haben, damit eine realistische Chance besteht, diese Prüfung erfolgreich zu bestehen. Die Kriterien bei dieser Prüfung sind die gleichen wie bei der Schweißsonderprüfung in Bezug auf Länge, Schweißmenge und Stehzeit der Fährte. Erschwerend kommt bei dieser Prüfung noch hinzu, dass der Hundeführer mit seinem Hund ohne jegliche Begleitung mindestens 2 von 5 Verweiserpunkten innerhalb von 2 Stunden dem Richter beim Stück vorweisen muss. Pro Jahr treten im Durchschnitt 21 Jagdhundeführer mit ihrem vierbeinigen Jagdkameraden zu dieser Prüfung an, und 17 bestehen diese Prüfung.

Bei den beiden restlichen Prüfungen nach der Prüfungsordnung für Einzelleistungen, Laustöber- und Verlorenbringernachweis, ist das Prüfungsaufkommen von 0 bis maximal 3 pro Jahr. Bei diesen beiden Prüfungen kann man eigentlich nicht von einer üblichen Jagdhundeprüfung sprechen, da diese nur während einer Niederwildjagd zustande kommen können. Bei der Verlorenbringerprüfung darf der Hund den beschossenen Hasen oder Fuchs nicht sehen und muss dann eine reine Spurarbeit von mindestens 300 Schritten absolvieren und das Stück seinem Führer bringen.
Die Lautstöberprüfung darf nur an Hase oder Fuchs abgenommen werden.

Seit 2007 wurde eine Prüfungsordnung für den Nachweis einer erfolgreichen Nachsuche auf Schalenwild eingeführt. Diese Prüfungsordnung gilt für alle Jagdhunderassen, die in ihren eigenen Prüfungsordnungen keinen Nachweis auf der natürlichen Wundfährte vorgesehen haben. Diese Prüfung ist wie die oben angeführten Nachweise keine Prüfung im eigentlichen Sinne, da Nachsuchen auf Schalenwild nicht programmierbar sind und im täglichen Jagdbetrieb anfallen. Es gibt hier auch keine eigentlichen Prüfungsausschreibungen. Doch gerade die Feststellung dieser Nachweise in der Jagdpraxis haben eine große Aussagekraft über die Leistungsfähigkeit der einzelnen Jagdhunderassen.
 

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